Тема № 9: «Deutsche Literatur der Biedermeierzeit
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Тема № 9: «Deutsche Literatur der Biedermeierzeit





Drama

Der entscheidende Beitrag zum deutschen Theater stammte in der Biedermeierzeit aus Wien, wo Franz Grillparzer seine Dramen srieb, Raimund und Nestroy die Tradition des Wiener Volkstheaters erneuerten. Im übrigen beherrschten die Dramen der Schillerepigonen, Rührstücke und Gesellschaftslustspiele die Bühnen.

Franz Grillparzer (1791-1872)

Der Bann, der in der vorhergehenden Zeit über der Dichtung Österreichs lag - so Bedeutendes es in Musik und Archetektur leistete-, wurde durch Grillparzer gebrochen. Sein Werk trat gleichrangig neben die große Dichtung Deutschlands.

Grillparzers Werk wurde von verschiedenen Einflüssen bestimmt. Noch immer war in Wien die Tradition des Barocktheaters lebendig, das auf volkstümliche Weise in den Zauber- und Rührstücken der Vorstadttheater weiterlebte. Zugleich waren Goethes und Schillers Dichtungen Grillparzers Vorbilder, wenn er auch selbstbewußt genug war, seine österreichisch-wienerische Art der deutschen Klassik gegenüber zu behaupten. So verband er die phantasievolle und mimische Theaterkunst der Wiener Volksbühne mit der hohen Sprachkultur und humanen Gesinnung der Weimarer Dramen zu einem einzigartigen Gansen, in dem die überraschend modernen Züge seines psychologischen Realismus deutlich wurden. Grillparzer, der zweifellos der größte österreichische Dramatiker war, hat, trotz mancher Unvollkommenheiten im lyrischen Werk, auch in einigen Gedichten und als Epigrammiker eine einsame Höhe erreicht. Die erste Sammlung seiner Lyrik erschien erst nach seinem Tod, 1873.

Ferdinand Raimund (1790-1836)

hat wie Grillparzer schwer am Leben getragen und es frühzeitig selbst beendet. Dabei war er sowohl als Schauspieler wie auch als Dichter außerordentlich erfolgreich. Die üblichen Zauberpossen und Märchenspiele des Wiener Volkstheaters wurden durch ihn zu Kunstwerken erhoben. Kindlich-frohes Spiel und schmerzliche Weisheit, Übermut und Wehmut, phantastischer Märchenzauber und scharfe, realistische Beobachtung, Musik, Wort und Mimik vereinen sich in seinen Dramen, die das Auge ebenso befriedigen wie das Herz.

Drei bedeutende Werke ragen aus seiner Produktion hervor: „Der Bauer als Millionär“ (1826), „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ (1828) und „Der Verschwender“ (1834), alle drei Zaubermärchen oder –spiele.

Johann Nestroy (1801-1862)

Seine erfolgreichsten Stücke sind „Einen Jux will er sich machen“ (1842) und „Der böse Geist Lumpazivagabundus oder Das liederliche Kleeblatt“,(1835) die Komödie dreier leichtsinniger Handwerksburschen, die das große Los gewinnen. Im Gegensatz zu Raimund verwendet Nestroy die Zaubermotive hauptsächlich als Mittel der Situationskomik und des Bühneneffekts. Seine Stärke ist der aggressive und pointierte Sprachwitz, mit dem er das Wiener Bürgertum kritisiert und menschliche Swächen entlarvt. Das Zauberspiel geht bei ihm in Gesellschaftssatire mit tiefen menschlichen und sozialen Einblicken über, oder wird durch geistreiche und komische Parodien zeitgenössischen Lebens und Schaffens abgelöst. Aus den Monologen und Dialogen in Nestroys Stücken ließe sich eine Sammlung prägnanter Aphorismen zusammenstellen. Nestroy war ein hintergründiger lachender Philosoph, ein Weiser, der manche bittere Einsicht auf witzigste Art ausgesprochen hat.



Die hervorragende Dramatiker der Biedermeierzeit waren auch:Friedrich Halm (1806-1871), Johann Ladislav Pyrker von Oberwart (1772-1847), Eduard von Bauernfeld (1802-1890), Ernst Elias Niebergall (1815-1843).


Roman

Es dauerte geraume Zeit, bis das Romanschaffen der nachklassischen und nachromantischen Epoche zu eigener Prägung fand. Der Einfluß Walter Scotts förderte den historischen Roman, aber schöpferisch erneuert wurde die Gattung erst am Ende der Biedermeierzeit durch Stifter und Gotthelf.

Karl Leberecht Immermann (1796-1840)

Mit seinem Roman „Die Epigonen. Familienmemoiren in neun Büchern“, 1823 unter dem Titel „Leben und Schicksale eines lustigen Deutschen“, als „Bruchstück aus einem Roman“ begonnen, schuf Immermann den ersten Zeitroman, der die deutsche Wirklichkeit zwischen 1820 und 1830 schildert: die Wendung vom Feudalismus zur Industrie, vom Idealismus zum Materialismus, den Gegensatz von Adel und Bürgertum, von Stadt und Land und die aufbrechenden sozialen Spannungen.

Immermanns Hauptwerk ist der Roman „Münchausen“, ebenfalls ein Angriff auf Zeit und Zeitgeist, auf die Epoche von 1830 bis 1840, „eine Geschichte in Arabesken“, wie der Untertitel lautet, ein Produkt der Romantik.

Mit der dörflichen Welt des Oberhofs hat Immermann die erste Bauernerzählung geschaffen, die in ihrem gegenständlichen Realismus den Rahmen der ländlichen Idylle sprengte. In dem Freigrafen, der Zentralgestalt des Oberhofs, verkörpert Immermann das ungebrochene Bauerntum, den „Granit der bürgerlichen Gesellschaft“, die Idee des unsterblichen Volkes. Die Erzählung ist von Immermann als Symbol einer besseren Zukunft gedacht.

Der Historische Roman

Die romantische Dichtung hatte sich der Vergangenheit liebevoll zugewandt, aber verklärt und wirklichkeitsfern dargestellt. Aber erst unter dem Einfluß von Walter Scott entstand der realistisch-geschichtliche Roman, der den Menschen im Zusammenhang von Volk, Heimat und Geschichte, bedingt durch Herkunft, Umwelt und Landschaft, schilderte.

Walter Scott (1771-1832)

hatte unter dem Einfluß Herders und Goethes alte schottische Volksballaden gesammelt und zusammengefaßt herausgegeben in der Sammlung „The minstrelsy of the Scottish border“. Aus eigener Anschauung von Landschaft, Land und Leuten schrieb er seine Waverleyromane, so bennant nach dem 1814 erschienenen Roman „Waverley“. Sie schildern den Menschen in seiner Beziehuhg zur Natur und als Produkt der Geschichte. Von seinen Romanen sind in Deutschland Ivanhoe, Durward, Kenilworth am bekanntesten geworden. Goethe lobte, wie Eckermann überliefert hat, Scott wegen der Gründlichkeit seiner Darstellung und bezeichnete ihn als den ersten europäischen Schriftsteller mit modernen Wirklichkeitssinn.

Adalbert Stifter (1805-1868)

stammte aus Österreich. Er war auch als Kunstmaler tätig und gilt neben Gotthelf als der wichtigste epische Dichter des Biedermeier. Ihm waren Christentum und die Klassik Vorbild. Nur die Macht der Bildung könne zur wirklichen Freiheit führen, schrieb er. Stifters Werk hat lehrhafte Tendenzen; seine Heldinnen und Helden gehören der gehobenen Mittelschicht an. Leidenschaften wurden bei ihm gezügelt, Ordnung und Recht dem „sanften Gesetz“ der Humanität unterworfen. Erst ein halbes Jahrhundert nach Stifters Freitod erkannte man den Rang seines Werkes – es war die Entdeckung eines „epischen Kontinents“.

Andere Vertreter:

Wilhelm Hauft (1802), Willibald Alexis (1798-1871), Wilhelm Meinhold (1797-1851), Hermann Kurz (1813-1873) und Charles Sealsfield (1793-1864).

Lyrik

Annette von Droste-Hülshoff und Eduard Mörike, die großen Lyriker der Epoche, sind zu ihren Lebzeiten nur von einem kleinen Kreis erkannt und gewürdigt worden. Größeren Erfolg hatten in jener Zeit Dichter, deren Ruhm inzwischen verblaßt ist: Rückert, Platen und Lenau.

Friedrich Rückert (1788-1866)

war gebürtiger Franke und wie Uhland Gelehrter und Dichter zugleich. 1814 erschienen unter dem Pseudonym Freimund Reimar Deutsche Gedichte, ein Band, der Geharnischte Sonette enthielt, in denen er zum Kampf gegen Napoleon aufrief. In der Folgezeit entfaltete er eine außerordentliche dichterische Aktivität. Jedoch in seinen sechs Bänden Lyrik, die unter anderem die Spruchdichtung „Die Weisheit des Brahmanen“, den Zyklus Liebesfrühling und die Kindertotenlieder enthalten, ist der Formenreichtum bedeutender als der poetische Gehalt.

Die gemütvoll-biedere Art seines Schaffens trug Rückert den Namen eines „Patriarchen der biedermännischen Hauspoesie“ ein. Seine eigentliche Leistung ist die durch Goetches „Divan“ angeregte Nachdichtung und Übertragung persischer, indischer und arabischer Poesie in unsere Sprache.

August Graf von Platen-Hallermünde (1796-1835)

Seine Tagebücher zeugen von seinen inneren Kämpfen: Er war Adeliger in einer Zeit, in der der Geburtsadel sich nur noch durch Besitz und Geld behaupten konnte; sein Schönheitsdurst zog ihn nach Italien und entfremdete ihn der Heimat; er fühlte sich der Kunst verpflichtet in einer Zeit der Verbürgerlichung und war erfüllt von leidenschaftlicher Liebe zur Form.

Schon die Titel seiner Gedichtbände „Ghaselen“ (1821), „Der Spiegel des Hafis“ (1823), „Sonette aus Venedig“ (1825) zeugen von seiner Vorliebe für antike und orientalische Versmaße, von seinem formalen Talent. Von der großen Breite und Reichweite des formalen Vermögens sprechen auch seine Balladen, vor allem „Das Grab im Busento“ und „Der Pilgrim von St. Just“, die in knapper Form von Kaiser Karl V., dem müden, entsagenden Herrscher über zwei Erdteile erzählt. Sie leben heute noch, während seine satirischen Komödien („Die verhängnisvolle Gabel“, 1826; „Der romantische Ödipus“, 1828), die sich gegen literarische Erscheinungen seiner Zeit richteten, und sein Epos „Die Abassiden“ (1833) vergessen sind.

Nikolaus Lenau (1802-1850)

Elterliches Erbe und Zeitumstände bewirkten Lenaus Zerrissenheit. Er verzehrte sich in Weltschmerz und innerer Unrast, vermochte aber seiner Weltschmerz-Lyrik kein Byronsches Format zu geben. Bei ihm verband sich vielmehr der Ausdruck echten, ausweglosen Kummers mit einer pathetischen und sehnsuchtsvollen Gebärde. Am stärksten wirkte seine Naturlyrik (Gedichte, 1832), die sich am reinsten in den schönen Schilf- und Waldliedern äußert.

In seinen episch-lyrischen Dichtungen („Faust“, 1836; „Savonarola“, 1837; „Die Albigenser“, 1842) gelangte Lenau nicht über Mischformen hinaus, immer wieder wurde der Zusammenhang des Dargestellten durch widerspruchsvolle Gedanken und Gefühle zerrissen.

Weltschmerzliche Stimmungen haben in dieser Übergangszeit zwischen Romantik und einer neuen Wirklichkeitsauffassung viele Menschen ergriffen.

Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848)

die bedeutendste deutsche Dichterin des 19. Jahrhunderts, altem westfälischem Adel entstammend, schien durch Herkunft, Glauben und friedliche Abgeschlossenheit gegen Anfechtungen und innere Ruhelosigkeit geschützt. Aber sie hatte ein leidenschaftliches Gemüt, eine chaotische Seele, die sie nur durch erzwungene Haltung und das Pflichtgefühl gegenüber dem katholischen Glauben zu bändigen vermochte.

Annette von Droste-Hülshoff hat nicht nur ihrer westfälischen Heimat mit den weiten Kornfeldern und Wiesen, dem Heideland, den Weihern und gefährlichen Moorgründen durch ihre Dichtung Gestalt gegeben, sie hat auch der lyrischen Aussage neue Bezirke des Naturlebens erschlossen. Mit tiefem Ergriffensein hat sie leise Geräusche der Natur, verschwimmende Farbnuancen, das wimmelnde Kleinleben in Wald und Heide aufgenommen und mit aller Genauigkeit in ihrer Lyrik dargestellt. Hinter jeder Einzelheit sah sie das Ganze des geheimnisvollen Lebens.

Sie verzichtet auf die Wiederholung herkömmlicher Weisen und gängiger Fügungen. Herb und streng in der Sprache, eigenwillig im Rhythmus, projiziert sie nicht – wie etwa Lenau – eigene Stimmungen in die Natur, sondern erfaßt mit einer Fülle oft völlig neuer Worte, Nuancen von Farben, Lauten, Bewegungen, wie die Natur sie ihr bietet. Weil sie ihr so ahnend und ehrfürchtig gegenübertritt, wird in ihren Gedichten der große Atem der Schöpfung spürbar.

Eduard Mörike (1804-1875)

Auch er zählt zu den großen Lyrikern der Zeit; das romantische Erbe wirkte noch stark auf den Dichter. Seine Balladen verbinden Natur und menschliches Schicksal. Seine musikalischen Gedichte lassen erkennen, wie feinfühlig er die Veränderungen seiner Zeit wahrnahm – und wie ängstlich in sich selbst zurückgezogen er im Schein einer Idylle lebte.

Seine Neigung zum Märchenhaften zeigte Mörike in der Erzählung „Das Stuttgarter Hutzelmännlein”(1853), deren Stil zwischen Romantik und Realismus schwankt. Als Höhepunkt von Mörikes Prosa gilt seine Novelle Mozart auf der Reise nach Prag(1856). Einer Chronik vergleichbar wird ein Tag aus Mozarts Leben intensiv nachempfunden und sprachlich gestaltet. Die enge Verwandtschaft der verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen wird beispielhaft klar: ,, Dichtung hat der Musik allezeit ergebene Tochter zu sein." (Mozart)


3. Annette von Droste-Hülshoff und ihre Novelle „Die Judenbuche“

Elisabeth Anna Freiin Droste zu Hülshoff wurde am 10. Januar 1797 auf dem Stammsitz der Familie (der Wasserburg Hülshoff bei Münster) geboren. Die Familie gehörte zum westfälischen Uradel.

Im Sommer 1813 lernte sie in Bökendorf Wilhelm Grimm kennen und fand dort den Stoff, aus dem ihr einzig vollendetes Prosawerk „Die Judenbuche“ entstehen sollte.

In Bökendorf lernte Annette einige Jahre später den Mann kennen, dessen Bekanntschaft katastrophale Folgen brachte. Das war Heinrich Straube. Sie fühlte sich mehr als nur freundschaftlich verbunden.

Wegen der Probleme im Privatleben, brach ihre erste dichterische Schaffensperiode ab. Das Gedichtsammlung „Das geistliche Jahr“ blieb lieden und wurde erst neunzehn Jahre später (1839) zu Ende geführt, der begonnene Roman „Ledwina“ blieb unvollendet.

Erst um 1834 setzte eine zweite kreative Phase ein. In diesem Jahr vollendete sie die beiden Epen „Das Hospiz auf dem großen Sankt Bernhard“ und „Des Arztes Vermächtnis.“

Nach dem Tode des Vaters (1826) zog sie mit ihrer Mutter ins Rüschhaus.

In der westfälischen Heimat entstanden die nächsten Werke. 1837 begann sie „die Judenbuche“, 1838 das Epos „Die Schlacht im Loener Bruch“, 1839 schrieb sie den zweiten Teil des Geistlichen Jahrs, religiöse Lyrik, die zu dem schönsten und Tiefsinnigsten gehört, was das 19. Jahrhundert hervorgebracht hat.

Levin Schücking, der Sohn ihrer früh verstorbenen Freundin Katharina Schüking, kam in ihrem Leben vor. Das malerische und romantische Westfalen trug sie Balladen und Erzählungen bei, sie schrieb drei Kapitel von „Bei uns zu Lande auf dem Lande“, daneben unterstützte sie Schücking bei der Arbeit an seinen Romanan.

Im April 1842 verließ Schücking die Meersburg. Wieviel die Droste durch seinen Weggang verlor, wurde ihr nachher bewußt: „Mein Talent steigt und stirbt mit deiner Liebe; was ich werde durch dich und um deinetwegen“. Sie leidet, aber sie verzweifelt nicht : „ man arbeitet sich durch Leben voran“.

Zunächst allerdings stockte ihre Produktivität. Bereits im Jahre 1842 war im Gotta’schen Morgenblatt „Die Judenbuche“ veröffentlicht worden.

Die Beziehung zu Schücking kühlte sich weiter ab, als sich dieser 1843 verlobte und heiratete.

Krankheit und Trauer um den verlorenen Freund bestimmten den zweiten Aufenthalt auf der Meersburg von September 1843 bis September 1844.

Im Frühjahr 1846 kam es zum endgültigen Bruch zwischen ihr und Schücking ; eine schwere Erkrankung folgte.

Und wieder wegen der Krankheit trat sie im September 1846 die Reise zur Meersburg an. Zwar erholte sie sich ein wenig, aber sie fühlte den nahenden Tod. Am 24. Mai 1848 starb Annette von Droste-Hülshoff im Alter von 51 Jahren. Sie liegt auf dem Friedhof in Meersburg begraben.

Werke:Gedichte (1838), „Die Judenbuche“(1842), „Das geistliche Jahr“(1851), „Der Knabe im Moor“, „Letzte Gaben“(1860).

Die Entstehung der Novelle „Die Judenbuche“

Die „Judenbuche“ von Annette von Droste-Hülshoff basiert auf der „Geschichte eines Algierer-Sklaven“, die August Freiherr von Haxthausen, ein Onkel der Autorin, bereits 1818 veröffentlicht hatte. Annette von Droste-Hülshoff hat die Vorlage aber in einigen Punkten verändert.

Sie hat sich nicht nur an der „Geschichte eines Algierer-Sklaven“ orientiert, sondern auch an anderen literarischen Werken, wie z. B. dem Epos „Odysseus“. Man erkennt diesen Zusammenhang beispielweise daran, dass der Doppelgänger-Friedrichs Niemand heißt. Auch Odysseus nannte sich gegenüber dem Riesen Polyphem Niemand.

Die Frist in Schicksalsromanen beträgt 28 Jahre. Am 28, 10 bringt Friedrich den Juden um und begeht 28 Jahre später am gleichen Tag Selbstmord. Der 28. Oktober ist auch in anderen Werken ein Unglückstag (Friedrich Schiller „Wilhelm Tell“).

Droste-Hülshoff hatte sich auch von der Bibel inspirieren lassen. Die Schlange verführt Adam und Eva zur Superbia, so wie auch Simon Friedrich dazu verführt hat. Weiterhin trägt Friedrich ein „Kainsmal“ (eine Narbe), an dem seine Indentität am Ende vom Gutsherrn erkannt wird.

Kurzinhalt „Die Judenbuche“

Friedrich Mergel wächst in einer Umgebung dumpfer Vorurteile und Triebe auf. Der Vater, ein Säufer, wird eines Tages tot aufgefunden. Der Oheim Simon lebt mit seinem unehelichen Sohn Johannes in dem zwielichtigen Kreise bedenkenloser Holzdiebe, die oft Teile von Wäldern abholzen, aber nie gefaßt werden. Durch Simon wird Friedrich Mergel in dieses Halbdunkel und in die unbeweisbare Mitschuld an einem Mord verstrickt. Eines Tages wird er bei einem ländlichen Tanzfest von dem Juden Aaron gemahnt, er solle ihm die Uhr, die er protzig zur Schau trägt, bezahlen. Am nächsten Tage ist der Jude erschlagen, Friedrich aber und sein Freund Johannes sind verschwunden. Die Glaubensgenossen des ermordeten Juden kaufen die Buche, unter der sie den Stab des Ermordeten gefunden haben, und bringen an ihr die hebräische Inschrift an : „Wenn du dich diesem Orte nahest, so wird es dir ergehen wie du mir getan hast“. Als der Mörder nach langer Zeit unerkannt heimkeht, treibt es ihn an den Ort der Tat, wo er sich an der Buche erhängt.

Kurze kritische Analyse „Die Judenbuche“

Die Novelle „Die Judenbuche“ ist das erzählerische Meisterwerk der Dichterin. Ein Sittengemälde aus dem gebirgichten Westfallen, eine kriminalistische Novelle von Annette von Droste-Hülshoff. Sie wird manchmal auch dem poetischen Realismus zugeordnet. Die Dichterin gestaltete in symbolhafter Sprache einen realen Fall aus dem Jahr 1789 mit großem psychologischen Einfühlungsvermögen. Diese mit Realismus und dem Geheimnis des Unwägbaren, mit Spannungsmomenten und Raffung des Geschehens in lakonischen Dialogen arbeitende Prosa gerät stilistisch in die Nähe der Kleistschen Novellen.

Dieses Werk ist sehr lehrreich und inhaltsreich. Die Autorin betont das Problem der Gerechtigkeit. Die Gerechtigkeit hat in diesem Werk das Böse besiegt. Wenn jemand dem anderen etwas Schlechtes macht, wird er die Verantwortung für alles tragen.

Friedrich ist mit schwachem Willen. Er kann nicht diese Situation überleben und seine Tat gestehen. Er kann sich nicht in alles schicken, was er gemacht hat . Er löst seine Probleme und Schwierigkeiten nicht, er tötet sich, indem er denkt, dass er den richtigen Weg wählt. Er kann sich nicht vorstellen, dass er vor dem Gericht stehen wird. Lieber greift er zum Tod.

Die Autorin unterschtreicht das Problem des Einflusses der Menschen auf andere. Die Umgebung von Simon und Johannes spielte im Leben des Haupthelden eine bedeutende Rolle. Sie beeinflussten seinen Charakter, seine Erziehung und seine Lebensart.Die Buche nimmt in diesem Werk den wichtigsten Platz ein. Sie ist ein Sinnbild für das Gericht und die Gerechtigkeit. Die Buche gilt als Sinnbild für Unheit.

4. Adalbert Stifter und seine sozialen Utopien

Stifter (1805-1868), der Sohn eines Leinewebers aus Oberplan im Böhmerwald, besuchte das Gymnasium der Benediktiner im Stift Kremsmünster, studierte an der Universität Wien, verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Privatlehrer und Maler und wurde 1850 in Linz an der Donau zum Schulrat ernannt. 1865 wurde er pensioniert. Infolge einer schweren Krankheit setzte er seinem Leben selber ein Ende. Mit Mühe fand Peter Rosegger wenige Jahre nach Stifters Tod das verfallene Grab mit dem morschen Kreuz auf dem Linzer Friedhof.

Werke:

„Studien“,Sammlung von 13 Erzählungen und Novellen (Das Heidedorf; Der Hochwald; Abdias; Brigitta; Der Hagestolz; Zwei Schwestern; Der Waldsteig; Die Mappe meines Urgroßvaters). Bunte Steine mit Bergkristall; Kalkstein, Granit; Turmalin; Der Nachsommer; Witiko.

Adalbert Stifter ist ein epischen Schaffen der bedeutendste Vertreter der deutschen Bürgerklassik. Erst ein halbes Jahrhundert nach Stifters Freitod erkannte man den Rang seines Werkes – es war die Entdeckung eines «epischen Kontinents».

Stifters Schaffen steht in einer großen Tradition. In seinem Weltbild verbinden sich Goethesche Weisheit und christliche Überlieferung; eine Humanität, die auf Maß und sittlicher Stärke, Ehrfurcht, Güte und Reinheit des Herzens beruht.

Stifters Naturverbundenheit zeigt sich vor allem in den immer wieder durchgefeilten Erzählungen der Bunten Steine mit dem Untertitel „Ein Festgeschenk“. Es sind Geschichten, die fast alle von stall, dessen Titel ursprünglich „Der heilige Abend“ hieß, und tief rührend in Kalkstein, der Geschichte des armen Pfarrers, der in der Kargheit der Natur für die Kinder sorgt.

Für Stifter ist wesentlich die Demut vor aller Schöpfung, in der das göttliche Gesetz auch das Kleinste durchwaltet.

Auch für das Seelenleben fordert er Hingabe an das «sanfte Gesetz», das sich in der alltäglichen Bewährung offenbart.

Stifters erste Novellen in seiner Sammlung „Studien“ standen unter Jean Pauls Einfluß, aber schon bald fand er den eigenen Ton. Im „Hochwald“ wird der Gegensatz von ursprünglicher, friedlicher Ordnung und zerstörenden Mächten im Gegeneinander der unberührten Waldlandschaft und der Wirren des Dreißigjährigen Krieges versinnbildlicht. Im „Waldsteig“ gesundet ein in närrischen Einbildungen lebender Sonderling durch die Kraft der Natur und die Schlichtheit eines liebenden Mädchens. Auch „Brigitta“ in der ungarischen Pußta-Landschaft spielend, ist die Geschichte einer Gesundung.

Aus der Sicht des erzählenden Ichs der Rahmenhandlung erschließt sich dem Leser in stilisierter Sprache die Geschichte der auch in der Liebe maßlos absoluten Brigitta und des leidenschaftlich freien Stephan Murai. Erst nach langen Jahren der Reifung und der Besinnung finden die beiden Außenseiter am Krankenbett ihres gemeinsamen Sohnes endgültig zueinander. Den reinen Ausdruck seines dichterischen Seins gab Stifter in seinem Bildungs- und Erziehungsroman „Der Nachsommer“, den Nietzsche zu den besten deutschen Büchern rechnete. Er ist ein Bekenntnis zur vollkommenen Ordnung der Natur, zu der in Maß und Schönheit gegründeten zuchtvollen Menschlichkeit, ein Bekenntnis zu einem Leben der Innerlichkeit und Stille, Liebe und Entsagung, ein «Gesetzbuch des Lebens».Merkmale des handlungsarmen Werks sind der stille Gang der Erzählung, die Detailgenauigkeit, die klare Sprache, die klare Sprache, die überall bemerkbaren Humanitätsideale : „Alles, war im Stadt und in der Menschlichkeit gut ist, kommt von der Familie.“ Auch in diesem Werk sparte Stifter Gesellschaft, Staat und Politik aus und beschrieb eine soziale Utopie. Er verwies auf eine Welt, die besser ist als die Alltagswelt.

5. Franz Grillparzer und seine Novelle „Der arme Spielmann“

Dramatiker, Erzähler und Lyriker Franz Grillparzer wurde in Wien geboren. An der Weimarer Universität studierte er Philologie (Literaturwissenschaft) und Justiz. Danach nahm Grillparzer eine Stelle als Hofmeister. 1813 arbeitete er unbezahlt in der Hofbibliothek, wo er eiftig Griechisch und Spanisch lernte.

Seine ersten Versuche als Dramatiker fallen bereits in seine Studienzeit. 1807 verfasste er das Trauerspiel "Blanka von Kastilien", das - vom Hoftheater abgelehnt - bis 1958 unaufgeführt blieb. Durch die Veröffentlichung eines Teils seiner Übersetzung des Dramas "Das Leben ein Traum" von Calderon wurde J. Schreyvogel, Dramaturg des Hofburgtheaters, auf ihn aufmerksam. Zunächst erbost über den vermeintlichen Angriff auf seine eigene Fassung, wurde Schreyvogel in der Folgezeit zum geistigen Mentor und bedeutendsten Förderer G. Auf seinen Rat hin überarbeitete Grillparzer das Trauerspiel "Die Ahnfrau", das 1817 am Hofburgtheater uraufgeführt wurde. Anschließend verfasste er die Künstlertragödie "Sappho" (1819), mit der er überaus erfolgreich war und einen 5-Jafares-Vertrag als Hoftheaterdichter erhielt, den er aber bereits 1821 wieder löste. Reisen führten ihn nach Italien, Griechenland, Deutschland - wo er 1826 mit Goethe zusammentraf, Frankreich und in die Türkei, wodurch Grillparzer mit verschiedenen politischen Systemen und Geistesströmungen in Berührung kam.

Seine produktivste und fruchtbarste Zeit war die zwischen 1820 und 1831 ("Die Ruinen des Campo Vaccino" (1820), "Das goldene Vlies", die Trauerspiele "König Ottokars Glück und Ende" (1825), "Ein treuer Diener seines Herrn" (1828)). Der 1831 am Hofburgtheater aufgefuürten Liebestragödie "Des Meeres und der Liebe Wellen" blieb die Zustimmung des Publikums versagt. Seinen letzten großen Theatererfolg feierte Grillparzer 1834 mit dem dramatischen Märchen "Der Traum ein Leben". Nach dem Misserfolg des 1838 uraufgeführten Lustspiels "Weh dem, der lügt!" zog sich Grillparzer vom Theater zurück.

Bis auf wenige Ausnahmen (z. B. "Esther"-Fragment, 1868) verwehrte sich Grillparzer fortan gegen weitere Aufführungen neuer Werke. In seinem Testament verfügte er sogar, die 3 Altersdramen "Ein Bruderzwist in Habsburg", "Die Jüdin von Toledo", und "Libussa", alle in den Jahren 1847-51 geschrieben, zu vernichten. Die Uraufführungen fanden erst nach seinem Tod start.

1847 erschien im Almanach "Iris" die Erzählung "Der arme Spielmann", eine Allegorie des eigeneninneren Zwiespalts. Ein wichtiges Alterswerk ist auch die "Selbstbiographie" (1872), die auf Tagebüchern basiert.

Werke:

Dramen: „Die Ahnfrau“ (1817); „Sappho“ (1819); „Das Goldene Vlies“, Trilogie (Der Gastfreund. Die Argonauten, Medea 1819/22); König Ottokars Glück und Ende (1825); Ein treuer Diener seines Herrn (1830); Des Meeres und der Liebe Wellen; Der Traum ein Leben; Weh dem, der lügt.

Kurzinhalt „Der arme Spielmann“

Ein Mann besucht das alljährliche Volksfest und sieht am Straßenrand einen alten Spielmann, der nicht wie die anderen Spielmänner einfache Walzer aus dem Gedächtnis spielt, sondern mit Notenheft versucht, komplizierte Werke zu spielen, aber vergeblich. Der Mann spricht den Spieler an, und verspricht, ihn zu besuchen. Bei diesem Treffen erzählt der Spielmann seine Lebensgeschichte: Er war Sohn eines reichen und angesehenen Hofrates. Dem Druck der Schule hielt er nicht stand, also nahm der Vater ihn aus der Schule und stellte ihn in seinem Büro an. Seine Arbeit, er war Abschreiber, nahm er zu genau, so dass er zu langsam war und für nachlässig gehalten wurde. Eines Abends hörte er auf dem Nachbarshofe ein Lied singen. Das Lied gefiel ihm so sehr, dass er seine bisher gehasste Geige hervorholte, und versuchte die Melodie zu spielen. Da dies nur schlecht gelang, wollte er sich die Noten dazu beschaffen. Er stellte fest, dass die Sängerin des Liedes jeden Tag ins Amt kam und dort Kuchen verkaufte. Das Mädchen versprach ihm, die Noten durch einen bekannten Musiker aufschreiben zu lassen. Nach einiger Zeit ging er darum in den benachbarten Greislersladen, um sich die Noten von dem Mädchen, der Tochter des Ladeninhabers, zu holen. Doch der Besuch war nicht unbemerkt geblieben, und der Vater verwies den auf Abwege geratenen Sohn aus dem Hause. So machte er Bekanntschaft mit ihrem Vater, einem Greisler, der ihn gegenüber sehr gefällig war. Als Jakobs Vater starb, erbte er dessen Besitz, doch er wurde kurz darauf um sein Erbe betrogen. Daraufhin war Jakob beim Greisler und seiner Tochter nicht mehr willkommen. Die beiden zogen fort, sie heiratete einen Fleischer. Nach Jahren kam Barbara, so hieß das Mädchen, zurück, da ihr Mann ein Geschäft in einer Vorstadt erworben hatte. Sie hatte einen Jungen, der auch Jakob hieß wie er und ein Mädchen, nun musste er den Kindern Musikunterricht erteilen. Wenn sie das bekannte Lied spielten, sang die Mutter mit. So erzählt der Alte.

Als der Dichter von einer längeren Reise zurückgekehrt ist, erinnert er sich des Musikers, doch erst die Schneeschmelze und die furchtbare Überschwemmung der Brigittenau bewegt ihn, den Mann wieder aufzusuchen. Vor dem Hause, in dem der Musikant wohnt, formiert sich gerade ein Leichenzug. Von der Gärtnerin erfährt er, dass der Alte bei dem Hochwasser sicher in seinem Zimmer saß, als er aber die Kinder schreien hörte, sei er herabgeeilt und habe gerettet, soviel er nur konnte. Dabei habe er sich erkältet und sei kurz darauf gestorben. In der Dachkammer trieft der Dichter Barbara mit ihren Kindern, die dem Toten auf ihre Kosten ein anständiges Begräbnis veranstaltet hat.

Unter dem Vorwand, die Geige des Musikanten kaufen zu wollen, kommt der Dichter in das Haus, in dem Barbara mit ihrem Mann lebt, hat aber mit seinem Antrag keinen Erfolg, denn sie will sich von dem Andenken an den Mann, den sie trotz seiner Schwäche einst geliebt hatte, nicht trennen.

Kurze kritische Analyse „Der arme Spielmann“

Grillparzer baut in diese Erzählung viele klassische Elemente ein, wie Jakobs Abkehr vom öffentlichen Leben und Wirken zur Kunst. Sein Versagen in Beruf und Gesellschaft ist nicht nur durch seine Naivität und Weltfremdheit bedingt, sondern auch von seinem Widerwillen gegen die gesellschaftlichen Mechanismen, die ihm gegenüberstehen ("Sie spielen den Wolfgang Amadeus Mozart und den Sebastian Bach, aber den lieben Gott spielt keiner";" Worte verderben die Kunst"). Grillparzer kritisiert oder zeigt zumindest auf, dass eine solche Abkehr zur Verarmung führt, also Lebensstandard nur durch Leugnung der eigenen Einstellung, durch Konformität gegenüber der Gesellschaft erreicht werden kann. In Barbara erkennt man Widerstand derselben Art wie bei Jakob, nur im Verborgenen. In ihr wirddie Lüge stark kritisiert ("Entweder man singt oder man hält das Maul"). Ihrer Ansicht nach ist der Alltagmit vielen kleinen Notlügen gepflastert, und damit ist das gesprochene Wort nicht mehr würdig, scheint es. Der Vater Barbaras ist der typische Bürger dieser Zeit. Konform, traditionell und engstirnig. Er versucht, Barbara an Jakob anzubringen, nur wegen seines Geldes. Er verstößt ihn schießlich, als er sein Vermögen verliert. Der arme Spielmann ist ein episches Andenken an das Ideal der Kunst.

Zentraler Konflikt \

Der Zentrale Konflikt ist ein Vater-Sohn-Problem. Durch den Erfolgsdruck der auf Jakob lastet kann er die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Die Folge ist die, dass der Vater jegliche Unterstützung und auch Jakob selbst ablehnt. Nach dem Tod des Vaters hat er durch das Erbe zwar die Chance normal weiterzuleben, wird aber aufgrund seiner Unbeholfenheit durch Betrug um diese Chance gebracht. Der Vater-Sohn-Konflikt ist eine Parallele zu Griilparzers Leben.

Dingsymbole und Leitmotive

Die Geige des Spielmanns ist ein Symbol, denn sie begleitet ihn durch sein ganzes Leben und bietet ihm Halt in den schweren Zeiten seines Lebens. Die Geige ist da, als er vom Vater verstoßen wird, erinnert ihn durch das Lied an Barbara, hilft ihm als Spielmann Geld zu verdienen und am Leben zu bleiben. Dem Leser wird eine interessante Konstellation vor Augen geführt. Die Geige „hing [. . .] in einer Art Symmetrie geordnet neben dem Spiegel und dem Kruzifix gegenüber an der Wand“. Dies unterstreicht die mystische Bedeutung, die die Musik für Jakob und nun auch Barbara darstellt. Blickt man nämlich in den Spiegel, so sieht man Kreuz und Geige symmetrisch zueinander. Auf diese Weise werden die beiden Symbole in ihrer Bedeutung fast gleichgesetzt. Für Jakob war schließlich die Musik ein Ausdruck des Göttlichen, verbunden allerdings mit viel Leid. Die Geige war für Jakob gleichsam das Kreuz und was im Leben und durch menschliche Liebe nicht möglich war, ist nun vollendet: im Geiste sind Barbara und Jakob geeint.

Trotz der mangelnden Fähigkeiten des alten Mannes ist die Musik der zentrale Bestandteil in seinem Leben. Damit steht er im Geist seiner Epoche. In einer Welt, in der die freie Meinungsäußerung eingeschränkt war, blieb den Menschen nichts anderes übrig, als ihre Handlungen auf den privaten Bereich zu beschränken. Um diesen von äußerem Druck freizuhalten, schuf man sich seine private Idylle. Der Spielmann nutzt die bereits oben erwähnten Grenzen, um in der etablierten Gesellschaftsstruktur seinen Platz möglichst angenehm zu gestalten.


Kurzbiographien Biedermeier

Johann Nesteroy (1801-1862),

wurde in Wien als Sohn eines Advokaten tschechischer Herkunft geboren, studierte zunächst Jura, wurde dann Opernsänger, 1823 Schauspieler. Während seiner Berufspraxis – er galt als großes komisches Talent und spielte viele Helden seiner Stücke selbst – entwickelte er sich zum vielseitigen Bühnenautor. Von 1854 bis 1860 war er Direktor des Leopoldstädter Theaters; 1862 ist er in Graz gestorben.

Nikolaus Lenau (1802 – 1850)

eigentlich Nikolaus Niembsch Edler von Strehlenau, wurde in Csatad geboren. Er entstammte einer österreichischen Offiziersfamilie und kam mit siebzehn Jahren nach Wien. Er studierte dort ohne Abschluß Rechtswissenschaft, Philoso­phie und Medizin. In Stuttgart, wo er in Cotta seinen Verleger fand, verkehrte er unter anderem mit dem schwäbischen Dichter Kerner. Seine Unruhe trieb ihn zu ausgedehnten Reisen durch Europa, 1832 sogar nach Amerika, von wo aus er aber im nächsten Jahr enttäuscht zurückkehrte. Er starb, geistig umnachtet, in der Irrenanstalt Oberdöbling bei Wien.

Eduard Mörike (1804 - 1875)

Mörike, Arztsohn in Ludwigsburg, verlor früh den Vater und studierte später wie die meisten schwäbischen Dichter Theologie. Er besuchte das Seminar in Urach und das Tübinger Stift. Nach manchen Versuchen, sich mit einem anderen Beruf eine Existenz zu gründen, mußte er als Pfarrvikar lange Zeit von einer Stelle zur anderen wandern. Während dieser Zeit verlobte er sich 1829 mit der Pfarrerstochter Luise Rau, löste aber die Verbindung später wieder. 1834 wurde er endlich Pfarrer in Cleversulzbach, ließ sich aber bereits 1843 pensionieren, weil Krankheit und Predigtscheu ihm sein Amt unleidlich machten. 1851 heiratete er die katholische Offizierstochter Margarethe von Speeth, ging nach Stuttgart und lehrte dort von 1851 – 1866 Literatur am Katharinenstift. Sein Leben wurde von körperlichen Leiden beschwert. Seine letzten Jahre verbrachte er in Lorch, Nürtingen und Stuttgart.

 

«Задания для самостоятельной проработки»

 

1Nennen Sie fünf charakteristische Merkmale, die Ihnen zum Thema „Biedermeier" einfallen, und erläutern Sie diese kurz.

2Was bedeutet Epigonentum?

3Welchen Beitrag leisteten die deutschsprachigen Nachbarländer für die Literatur des Biedermeier?

4Erklären Sie den folgenden Textauszug aus Adalbert Stifters „Brigitta“(1847), und ziehen Sie Verbindungen zu anderen Werken und Tendenzen der Zeit.

Von nun an lebten sie in ihrer Wohnung fort. So wie sie, da sie sich kennengelernt hatten, nur in Gesellschaften zusammengetroffen waren, und so wie sie im Brautstande nur immer öffentlich erschienen waren, so blieben sie nun immer zu Hause. Sie dachten nicht, daß etwas Äußerliches zu ihrem Glücke erforderlich sei. Obgleich die Wohnung im allgemeinen mit allem versehen war, was ihr nur immer not tat, so blieb doch im Einzelnen noch so vieles zu verbessern und zu verschönern übrig. Sie klügelten dieses heraus, sie überlegten, was man dort und da noch anbringen könnte, gingen einander mit Rat und Tat an die Hand, daß sich der Raum immer mehr und mehr und reiner ordnete, und die Eintretenden mit klarer Wohnlichkeit und einfacher Schönheit empfing.

5 Vergleichen Sie die Auffassungen von Liebe in folgenden Auszügen aus Stifters Novelle „Brigitta“(1847) und Franz Grillparzers Drama „Konig Ottokar's Glückund Ende“(1825):

„Weil ich", antwortete sie [Brigitta] leise, „keine andere Liebe fordern kann, als die allerhöchste. Ich weiß, daß ich haßlich bin, darum würde ich eine hohere Liebe fordern, als das schönste Mädchen dieser Erde. Ich weiß es nicht, wie hoch, aber mir ist, als sollte sie ohne Maß und Ende sein.

(…) Brigitta! Ich habe dich erkannt. Da ich dich das erste Mal sah, wußte ich schon, daß mir dieses Weib nicht gleichgültig bleiben werde; aber ich erkannte noch nicht,werde ich dich unendlich lieben oder unendlich hassen müssen.Wie glücklich ist es gekommen, daß es die Liebe ward!“

König Ottokars Gemahlin Margarete von Österreich spricht zu Rudolf von Habsburg:

Mit schwarzem Aug aus schwarzen Brauen blickend,

Stand er in scheuer Ferne sinnend da,

Und maß, der Jüngling, mich, die Alternde.

Allein des Landes Not bei mir gedenkend,

Trat ich zu ihm und sprach ihn freundlich an;

Und so ward ich sein Weib. Ich hab ihn nie geliebt;

Ich dachte nie, ob ich ihn lieben könnte:

Doch sorgt ich still für ihn, und wie ich sorgte,

Fand ein Gefühl sich mir im Innern ein,

Das allen Schmerz der Liebe kennt, wenn auch

Nichts von der Liebe Glück. So wars mit uns.

Nun urteilt, ob Entfernung mich erschreckt.

Ja, ich will gehn, doch bleibt die Ehe fest,

Nichts ward verletzt, was ihren Bruch begehrte.

 

 

6Am 11. 2. 1858 schrieb Stifter über seinen Roman „Der Nachsommer“(1857) an seinen Verleger Gustav Heckenast:

Mein Werk ist weit entfernt von einem Goetheschen, von der Großartigkeit des Inhaltes und der schönen klaren Fassung: aber mit Goethescher Liebe zur Kunst ist es geschrieben, mit inniger

Hingabe an stille reine Schönheit ist es empfangen und gedacht worden. Das sind Dinge, welche der heutigen Dichtkunst fast abhanden kommen, und nur mehr in alten Meistern zu finden sind.

Welche typischen Merkmale des Biedermeier können Sie in dieser Äußerung Stifters erkennen?

7 Interpretieren Sie die folgenden Gedichte.

Charakterisieren Sie das aus dem jeweiligen Gedicht sprechende lyrische

Ich.

 

„Er ist's“

Frühling laßt sein blaues Band

Wieder flattern durch die Lüfte;

Süße, wohlbekannte Düfte

Streifen ahnungsvoll das Land.

Veilchen träumen schon,

Wollen balde kommen.

- Horch, von fern ein leiser Harfenton!

Frühling, ja du bist's!

Dich hab' ich vernommen!

(Eduard Mörike)

Gebet

Herr! Schicke, was du willt,

Ein Liebes oder Leides;

Ich bin vergnügt, daß beides

Aus deinen Händen quillt.

Wollest mit Freuden

Und wollest mit Leiden

Mich nicht überschütten!

Doch in der Mitten

Liegt holdes Bescheiden.

(Eduard Mörike)

 

 

Тема № 9: «Deutsche Literatur der Biedermeierzeit

(1815 - 1850)»


Тема № 9: „Deutsche Literatur der Biedermeierzeit (1815-1850)“

 

Plan:

 

 

1. Historischer Hintergrund und der Begriff „Biedermeier“

 

2. Literarische Formen des „Biedermeier“ und seine Vertreter

 

3. Annette von Droste-Hülshoff und ihre Novelle „Die Judenbuche“

 

4. Adalbert Stifter und seine sozialen Utopien

 

5. Franz Grillparzer und seine Novelle „Der arme Spielmann“

 

6. Kurzbiographien Biedermeier

 

1. Historischer Hintergrund und der Begriff „Biedermeier“.

Nach den napoleonischen Kriegen trat im Leben der Nation eine gewiss Erschaffung ein. Der geistige Schwung der Klassik und Romantik ebbte ab. Das Bürgertum blieb von der Mitarbeit am Staat ausgeschlossen und entschädigte sich durch die Pflege häuslicher und geselliger Kultur. Die Gemütlichkeit, die man dabei entwickelte, trug gelegentlich spießerische Züge.

In den „Fliegenden Blättern“ (die humoristische Zeitschrift erschien 1844 - 1944 in München) wurde 1850 der Spießer ,,Gottlieb Biedermeier" parodiert, der die Schwächen seiner Zeit personifizierte. Sein Name wurde auf den Kunststil der Zeit und schließlich auf die gesamte Epoche von den Napoleonischen Kriegen (1803 - 1815) bis zur März-revolution 1848 übertragen.

In Karl Leberecht Immermanns (1796-1840) Roman „Die Epigonen“ (1836) werden die Kennzeichen der Biedermeierzeit besonders deutlich: Klassik und Romantik hatten sich überlebt. Die Autoren des Biedermeier wollten sich nicht davon lösen. Sie litten andererseits unter dem Bewußtsein, nur Epigonen, Nachfahren der vorangegangenen Epoche zu sein:

Wir sind, um mit einemWorte das ganze Elend auszusprechen, Epigonen, und tragen an der Last, die jeder Erb- und Nachgeborenschaft anzukleben pflegt.

 

Die Restaurationspolitik nach der Neuordnung Europas auf dem Wie­ner Kongreß (1814/15) schloß das Bürgertum von der Mitbestimmung im Staat aus. Die Rückkehr zur absolutistischen Regierungsform stellte die äußere Ruhe und Ordnung wieder her. Der Staat wurde als höchste Autorität anerkannt. Der in der Romantik so wichtige Begriff des „Volkes“ war durch Friedrich Hegels (1770-1831) Philosophie vom Begriff des „Staates“ abgelöst worden. Der Staat ist bei Hegel die vollkommene Organisation, die durch Vernunft von einem Volk hergestellt werden kann.


 

Der gleichzeitige große Bildungsdrang des Bürgertums kam z. B. in der Gründung der heute noch führenden Enzyklopädien von Brockhaus und Meyer zum Ausdruck, die ab 1808 bzw. 1840 erschienen.

Das gesellschaftliche Interesse galt vor allem der Wiederherstellung und Pflege des „stillen Glücks" daheim; Familie und Privatleben wurden großgeschrieben. Kleinbürgerliche Behaglichkeit, Liebe zum Detail, gemütvolle Naturverbundenheit, tiefe Religiosität und Heimatbewußtsein prägten die bürgerliche Kultur und Literatur.

Hinter der Zurückgezogenheit im „holden Bescheiden“ (Eduard Mörike) lauerte die Gefahr dieser Geisteshaltung: der Hang zur Passivität, das Ausweichen vor den Problemen, Weltschmerz und Flucht in die Erinnerung. Der innere Frieden und die Ordnung der idealistischen Weltanschauung entwickelten sich vor dem Hintergrund großen materiellen und wirtschaftlichen Fortschritts, mit dem der ,,Biedermann“ nicht Schritt halten konnte und vor dem er resignierte. Ab 1835 wurden die ersten deutschen Eisenbahnlinien gebaut. Die Gründung großer Industrieunternehmen fällt in diese Zeit.

Es ist kennzeichnend, daß viele Biedermeierdichter von Krankheit und Verbitterung gequält wurden oder Selbstmord begingen. Die Dichter dieser Zeit, die ohne gemeinsame Programme oder Verbindung untereinander lebten – die Kreise, die sich bildeten, waren mehr geselliger Art - , waren bei allem Humor häufig melancholisch, verzweifelt, krank. Sie erkannten die starken Gegensätze zwischen Ideal und Wirklichkeit, konnten sie aber nur vorübergehend in Einklang bringen und litten darunter.

Die Dichtung des Biedermeier spiegelt die Kultur des Bürgertums, macht aber auch die inneren Spannungen dieser Zeit deutlich. Die Anspruchslosen genossen die zierlichen Verse der Goldschnittalmanache. Darüber erhob sich das Schaffen der großen Dichter dieser Epoche. Auch bei Grillparzer, Mörike, Droste-Hülshoff, Gotthelf und Stifter sind biedermeierliche Züge festzustellen: hegendes Bewahren des Erbes, Abwehr des Titanischen, Verklärung von Alltag und stillen Glück, Familien- und Heimatgefühl. Aber das biedermeierische Etikett reicht nicht aus, ihre Kunst zu erfassen. So sehr sie sich der klassisch-romantischen Tradition verpflichtet fühlten, so deutlich empfanden sie die Spannung zwischen Idealismus und Realismus und spürten den Zwiespalt der Zeit.

Zunächst denkt man auch heute noch bei „Biedermeier“ an eine behagliche Wohnkultur mit schön geschwungenen Möbeln, dem runden Tisch, geschaffen für den Lichtkreis der Lampe, die damals begann, die Kerzen zu ersetzen. So hübsch die Kleidermode mit Bändern und Schleifen, so gemütlich die Belustigungen, die Volksfeste mit Leierkastenmännern und Kremserfahrten waren,- durch alles ging ein Zug des kleinbürgerlich Genügsamen. In den Genrebildern von Hosemann, Schwind, Spitzweg wird die wirklichkeitsscheue Haltung des Biedermeier, dieses Hinräumen im Nachglanz der Romantik lebendig. Dennoch gibt es auch positive Seiten in der biedermeierlichen Existenz: Bescheidenheit, Pflege der Vergangenheit, Pflichterfüllung, Hingabe an die stillen Dinge, echte Familienkultur.


2. Literarische Formen des „Biedermeier“ und seine Vertreter.

 

Drama

Der entscheidende Beitrag zum deutschen Theater stammte in der Biedermeierzeit aus Wien, wo Franz Grillparzer seine Dramen srieb, Raimund und Nestroy die Tradition des Wiener Volkstheaters erneuerten. Im übrigen beherrschten die Dramen der Schillerepigonen, Rührstücke und Gesellschaftslustspiele die Bühnen.

Franz Grillparzer (1791-1872)

Der Bann, der in der vorhergehenden Zeit über der Dichtung Österreichs lag - so Bedeutendes es in Musik und Archetektur leistete-, wurde durch Grillparzer gebrochen. Sein Werk trat gleichrangig neben die große Dichtung Deutschlands.

Grillparzers Werk wurde von verschiedenen Einflüssen bestimmt. Noch immer war in Wien die Tradition des Barocktheaters lebendig, das auf volkstümliche Weise in den Zauber- und Rührstücken der Vorstadttheater weiterlebte. Zugleich waren Goethes und Schillers Dichtungen Grillparzers Vorbilder, wenn er auch selbstbewußt genug war, seine österreichisch-wienerische Art der deutschen Klassik gegenüber zu behaupten. So verband er die phantasievolle und mimische Theaterkunst der Wiener Volksbühne mit der hohen Sprachkultur und humanen Gesinnung der Weimarer Dramen zu einem einzigartigen Gansen, in dem die überraschend modernen Züge seines psychologischen Realismus deutlich wurden. Grillparzer, der zweifellos der größte österreichische Dramatiker war, hat, trotz mancher Unvollkommenheiten im lyrischen Werk, auch in einigen Gedichten und als Epigrammiker eine einsame Höhe erreicht. Die erste Sammlung seiner Lyrik erschien erst nach seinem Tod, 1873.

Ferdinand Raimund (1790-1836)

hat wie Grillparzer schwer am Leben getragen und es frühzeitig selbst beendet. Dabei war er sowohl als Schauspieler wie auch als Dichter außerordentlich erfolgreich. Die üblichen Zauberpossen und Märchenspiele des Wiener Volkstheaters wurden durch ihn zu Kunstwerken erhoben. Kindlich-frohes Spiel und schmerzliche Weisheit, Übermut und Wehmut, phantastischer Märchenzauber und scharfe, realistische Beobachtung, Musik, Wort und Mimik vereinen sich in seinen Dramen, die das Auge ebenso befriedigen wie das Herz.

Drei bedeutende Werke ragen aus seiner Produktion hervor: „Der Bauer als Millionär“ (1826), „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ (1828) und „Der Verschwender“ (1834), alle drei Zaubermärchen oder –spiele.

Johann Nestroy (1801-1862)

Seine erfolgreichsten Stücke sind „Einen Jux will er sich machen“ (1842) und „Der böse Geist Lumpazivagabundus oder Das liederliche Kleeblatt“,(1835) die Komödie dreier leichtsinniger Handwerksburschen, die das große Los gewinnen. Im Gegensatz zu Raimund verwendet Nestroy die Zaubermotive hauptsächlich als Mittel der Situationskomik und des Bühneneffekts. Seine Stärke ist der aggressive und pointierte Sprachwitz, mit dem er das Wiener Bürgertum kritisiert und menschliche Swächen entlarvt. Das Zauberspiel geht bei ihm in Gesellschaftssatire mit tiefen menschlichen und sozialen Einblicken über, oder wird durch geistreiche und komische Parodien zeitgenössischen Lebens und Schaffens abgelöst. Aus den Monologen und Dialogen in Nestroys Stücken ließe sich eine Sammlung prägnanter Aphorismen zusammenstellen. Nestroy war ein hintergründiger lachender Philosoph, ein Weiser, der manche bittere Einsicht auf witzigste Art ausgesprochen hat.

Die hervorragende Dramatiker der Biedermeierzeit waren auch:Friedrich Halm (1806-1871), Johann Ladislav Pyrker von Oberwart (1772-1847), Eduard von Bauernfeld (1802-1890), Ernst Elias Niebergall (1815-1843).


Roman

Es dauerte geraume Zeit, bis das Romanschaffen der nachklassischen und nachromantischen Epoche zu eigener Prägung fand. Der Einfluß Walter Scotts förderte den historischen Roman, aber schöpferisch erneuert wurde die Gattung erst am Ende der Biedermeierzeit durch Stifter und Gotthelf.









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